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Eine außergewöhnliche Idee ist es ja eigentlich nicht. Theologische Studientage werden landab landauf mit tollen Referent*innen organisiert. Und dennoch: seit zwei Jahren bin ich Gast bei Theologischen Studientagen in Fribourg, die mich sehr beeindrucken. Und nein, es ist nicht zuerst die Qualität der Referent*innen, obwohl die spitzenmäßig sind. Es ist etwas anderes, was dem Gelingen zugrundeliegt…

Und das hatte mich schon im letzten Jahr sehr berührt. Wie kann eine so gastfreundliche und geistliche Atmosphäre entstehen, so viel Kreativität in den Begegnungen, so viel Freundschaft und Freude. Hier haben wir im letzten Jahr angefangen, über neue Formen theologischer Ausbildung nachzudenken – hier entstanden neue Freundschaften. Das hatte ich noch nicht so oft erlebt. Und das ist ganz bestimmt einer geistlichen Atmosphäre zu verdanken. Ganz bestimmt – denn hier geht es um Beziehungen zwischen Menschen, oder besser: um das Zwischen des Geistes in diesen Beziehungen, die alles so kreativ machen.

Das gute Leben und der Anspruch der Theologie

So auch dieses Jahr. Der Titel sprach mich eigentlich nicht an – The good life – und den Theologen Miroslav Volf kannte ich nur vom Namen. Und damit starteten diese Tage. Mit einem Manifest. Denn es geht darum, dass Theologie eine neue Perspektive bekommt. Volf positioniert sich hier klar: zum einen kann Theologie nur wirklich Theologie sein, wenn sie aus einer gelebten Christusnachfolge wächst. „Fides quaerens intellectum“ – das ist kein theoretischer Lehrsatz, sondern eine erfahrbare und lebbare Grundwirklichkeit. Aber Volf geht noch einen Schritt weiter. Seine Vision vom guten Leben beschreibt ja präzise jenen Glauben, der Erkenntnis sucht. Er verankert sie zwischen dem Garten der Schöpfung, von dem wir zu einer beziehungsreichen Existenz gerufen und gestaltet sind – mitten in den Zerbrechlichkeiten und Wunden der ambivalenten Weltzeiten – und der Vision des himmlischen Jerusalems, der Stadt als der Zukunft der Wohnung Gottes unter den Menschen.

Was Volf in den Vorlesungen beschreibt (und damit sein unlängst erschienenes Buch „Für das Leben der Welt“, Münster 2019 vorstellt), das ist ein Aufruf zum Nachdenken mitten in einer Krise hinein. Aber es ist – im Kontext dieser Tage – auch eine Raumbeschreibung für das Ereignis in Fribourg. Denn was Volf skizziert, das ereignet sich ja gerade in diesen Tagen. Ich mindestens empfinde es so. Ist echte und gute Theologie denn anders denkbar als in einem Raum der Gegenwart Gottes? Als in einem Raum, in dem das Reich Gottes wenigstens anfanghaft das Miteinander gründet? Ist nicht „Kirche“ der Wachstumsraum der Theologie? Denn das sollte ja Kirche sein – ein Raum, in dem Gott vorwegnehmend eine Erfahrung seiner Gegenwart unter den seinen ermöglicht, in allen Bezügen des Lebens, im Feiern, in der Achtsamkeit zueinander, im Feiern und Reden. Genauso erlebe ich es in diesen Tagen.

Die Logik von Mellitus

Und deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn ich ganz gebannt Graham Tomlin in seiner kleinen Vorlesung höre. Denn im Januar war ich, waren wir, geflasht von der Theologenausbildung in St. Mellitus (https://christianhenneckehildesheim.wordpress.com/2019/01/20/18-monate/). Und deswegen wollte ich gerne hören, was das „Telos“ der Theolog*innenausbildung ist. Und ja – auch hier wurde schnell deutlich, dass das Ziel dieser Ausbildung ja nichts anderes ist, als daran zu dienen, dass Christen in der Reife ihres Zeugnisses in der Welt Gottes Gegenwart bezeugen. Und das Ziel der Theolog*innenausbildung ist genau diese Reife, diese Grunderfahrung die Theologie und Spiritualität, Gebet und Studium, Inhalt und Leben miteinander verbindet. Also auch hier…: Theologie und ihr Lebensraum, die Gegenwart des Auferstandenen, die alles durchdringt.

Der liebevolle Blick

Es war wirklich einer der Höhepunktw bei den Studientagen 2019 in Fribourg. Wim Wenders kam. Der berühmte deutsche Filmregisseur hielt einen Vortrag. Und es ging um den Film „Der Himmel über Berlin“, denn der hat den Fotografen und Filmemacher nachhaltig verändert. Für diesen Film hatte er von der theologischen Fakultät Fribourg einen Ehrendoktor in Theologie erhalten. Und erst jetzt, Jahrzehnte später, kam er nach Fribourg, um eine Gastvorlesung zu halten.

Ich höre überraschende Dinge. Zunächst und vor allem: es gab kein Drehbuch, sondern der Film hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Aber es wird noch intensiver, was Wenders zu erzählen weiß. Im Film geht es um Engel – zwei Engel, die die Menschen begleiten, ihnen zuhören, mit ihnen auf dem Weg sind, aber nicht handeln können. Ja, denn sie sind ja die Augen Gottes auf diese Welt. „Und deshalb“, so sagt er es seinen Schauspielern, „müsst ihr einen liebevollen Blick auf die Menschen richten. Dieser liebevolle Blick, der muss in eurem Spielen erkennbar werden“. Sie waren erschrocken und verdutzt: wie soll denn ein solch liebevoller Blick aussehen, fragten sie sich. Das fragte sich auch der Kameramann von Wenders…: „Denn du musst dann, wenn die Kamera auf die Menschen fällt, die von den Engeln angesehen werden, diesen liebevollen Blick filmen“. Tausend Fragezeichen standen, so Wenders, dem erfahrenen Kameramann im Gesicht. Am Ende hatte er es geschafft: mit Licht und Ausleuchtung wurde auch für den Zuschauer erfahrbar, was gemeint war.

Das war der Anfang für etwas Neues im Wenders Leben: der liebevolle Blick wurde für ihn zum Qualitätsmerkmal seiner Filme. „Ich war nicht zufrieden, wenn ich merkte, dass das nicht so war.“ Wenders ist es dabei wichtig zu unterscheiden: der liebevolle Blick ist etwas anderes als der liebende Blick. Denn während der liebende Blick leidenschaftlich beteiligt ist und sich sehnend ausstreckt nach dem oder der Geliebten, so ist der liebevolle Blick anders: er schaut voller Liebe auf den Menschen, auf die Natur, auf irgendetwas und legt frei, was an Potential, an Möglichkeiten, an Tiefe in dem Anderen, in der Anderen, in der Sache liegt: ihre Geschichte, ihren Wert, ihre Kraft. Und dabei bleibt aber eine Distanz, die freilässt, was sie freilegt.

Wenders erzählt noch weiter, und ich hoffe, dass ich diesen Vortrag noch einmal meditieren kann. Aber schon das Gesagte lädt zum Innehalten ein. Diese Grundhaltung, die Wenders entdecken konnte, ist vielleicht das Wichtigste überhaupt, was uns in der Begegnung mit dem Menschen und der Welt zuwachsen kann. Ein Blick, der voller Liebe den Menschen erhöht, ihn zur Entfaltung und zum Blühen bringt. Ein Blick, der erkennt, welche Möglichkeiten und Geschichten im Gegenüber liegen, mit wieviel Respekt und Achtung jedem und jeder zu begegnen ist, immer im Interesse daran, dass der oder die Andere immer mehr sie oder er selbst wird.

Resonanz als soziale Theologie

Und dann war ich gespannt auf Hartmut Rosa. Ich hatte schon viel von ihm gehört. Von seine Soziologie der Resonanz. Aber was ich erlebte, berührte mich zutiefst. Eine Soziologie der Resonanz gründet ja in einem zutiefst relationalen Wirklichkeitsverständnis. Es geht um ein „spürbares“, um ein „hörbares“ Phänomen, das Rosa mit großer Leidenschaft beschreibt. Und alles sind Geschichten, einfache Geschichten, zwischenmenschliche Erfahrungen. Die Art, wie Rosa sprach, entspricht total seiner Entdeckung – in lebendiger Zugewandtheit, in kreativer Wahrnehmung des Publikums und des Ortes, sodass diese Vorlesungen wirklich ein resonantes Geschehen waren.

Na klar, was Resonanz in der soziologischen Beschreibung ist, das soll hier nicht beschrieben werden. Das kann man allerorten nachlesen. Aber meine Resonanzerfahrung möchte ich einfach kurz andeuten. Ich war einfach erstaunt. Ich war begeistert und verwundert. Denn was ich hier von Hartmut Rosa hörte, das was eigentlich das, was mich überhaupt erst zum Christsein gebracht hat. Meine Grunderfahrung war doch die der … Resonanz: eine Erfahrung, über die ich mein Leben lang nachdenken muss, die ich aber auch immer wieder anzieht, die wirklich von Gottesnähe geprägt ist. Wenn also die Offenbarung des Johannes das himmlische Jerusalem als einen Ort beschreibt, in der der Herr inmitten der Seinen das Licht ist, das alles erleuchtet, wenn es wahr ist, dass es eine Erfahrung des „Gott mit uns“ gibt, wie sie die Evangelien in den Erfahrungen mit dem Auferstandenen reflektieren, dann lässt sich das soziologisch als Ort und Raum der Resonanz beschreiben. Und diese Erfahrung verwandelt das Selbstverständnis des Menschen und seiner Beziehungen. Sie kommen nicht irgendwie dazu, zu einem Selbststand – sie sind das Wesen. Und während ich Rosa lausche, fallen mir die Denkversuche von Klaus Hemmerle und seiner trinitarischen Ontologie ein, fällt mir die erfahrungsgesättigte Theologie der Kirche ein, die zur Dreifaltigkeitslehre führte und ihrer Rede von der Perichorese. Und ich denke: Rosa, das ist der Soziologe, der mir meine Grunderfahrung der Gegenwart des Auferstandenen von der anderen Seite, von der soziologischen Rückseite erschließt.

Und ich staune. Das sind nun wahrhaft Zeichen der Zeit, die im Licht des Evangeliums tönen: menschliches Leben findet seine Fülle dann, wenn Resonanz ist, wenn es klingt, wenn die Zeit zwischen und erfüllt ist – und das Leben.

Spannend ist auch, dass sich die Grammatik weiten muss, um diese Erfahrung aufzunehmen.

Nein, Resonanz lässt sich nicht herstellen. Sie entstammt nicht einem aktiven aggressiven Zugriff auf die Wirklichkeit, aber sie ist eben auch nicht passives Erleiden und überwältigt werden. „Es ist Medium-Passiv“, meint Rosa, und drückt damit exakt die Erfahrung aus, die man in der Theologie mit einem alten Wort „Gnade“ nennt.

Summa

Und wie das tönt! Diese Tage sind kreativ, sie wecken auf, zu neuer Leidenschaft, zu einer neuen Theologie, zu einem neuen Leben. Und ich spüre Dankbarkeit und Herausforderung. Dankbarkeit dafür, dass die Wege sich öffnen für eine neue Perspektive des Lebens und Denkens. Es wird mir aber auch immer deutlicher, dass im Blick auf die Theologie und das theologisieren neue Wege nötig werden. Die Erfahrung von St. Mellitus, die Erfahrungen theologischer Studientage und andere Erfahrungen des Miteinander Denkens bereiten neue Schritte vor, die sehr herausfordernd sind. Vor allem dann, wenn es darum gehen könnte, Leben und Denken, Existenz und Theologie in ein neues Zueinander zu bringen. Es könnte ja sein, dass sich dann Widerstände regen. Gut begründete, wie immer. Aber eben auch deswegen, weil bewährte Gleichgewichte Auseinanderfallen und Verluste befürchtet werden.

Und ja, es kann nicht sein, dass wir pastoral von einem tiefgreifenden Paradigmenwechsel ausgehen, das aber unser Denken und unsere Orte der Theologie nicht ebenso tiefgreifend verwandeln sollten… Ich bin gespannt darauf.

 

 

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Ich bin überrascht. Und ich bin neugierig. Sehr neugierig. Denn was M7, so kürzt sie sich ab, mir erzählt, lässt mich staunen und fasziniert sein. So etwas gibt es? Sie erzählt mir von einem wachsenden Netzwerk. In einem der großen Beratungsunternehmen hat sich ein christliches Netzwerk gebildet. Menschen, viele jüngere, Männer und Frauen aus unterschiedlichsten Kirchen, verbinden sich, um ihr Christsein in ihrem Unternehmen, bei ihrer Arbeit zu leben. Eine sehr herausfordernde Arbeit, eigentlich fast immer Arbeit.

Und da kommt dieses Netzwerk in den Blick: wie können wir Zugehörigkeit erfahren? Wie können wir unseren Glauben leben, in Gemeinschaft? Wie kann dieser Glaube wachsen?

„Fast jeden Monat machen wir einen Bible-call“, erzählt M7. „Wir treffen uns am Telefon, jemand gibt einen kurzen biblischen Impuls, und dann tauschen wir uns aus… Eine halbe Stunde. Und wer dabei sein kann, logt sich ein in die Telefonkonferenz.“ Bibelteilen am Telefon. „Würden Sie einmal das mit uns machen?“ Na klar. Und schon wenig später darf ich – ich fühle mich sehr geehrt – einmal einen kleinen Impuls geben. Ich bin ein wenig erstaunt, wie still und ruhig diese agilen Beraterinnen und Berater sind. Am Ende beten wir. „Mögen sie uns segnen?“ Und so schließt dieser Call mit einem Segen.

In Rom…

Aber das ist noch nicht alles. „In Abständen treffen wir uns auch für zwei Tage, zu geistlichen Tagen. Würden Sie das einmal mit uns machen?“ Ich bin begeistert. Natürlich, wenn es möglich ist. Und so bin ich jetzt mit 20 Beraterinnen und Beratern in Rom. Ich habe nichts organisiert, aber die Vorbereitungsgruppe hatte mich um Tipps gebeten. In welcher Stadt? „Genf, Rom und London könnte ich mir vorstellen“, hatte ich zurückgegeben. Weil es ja eine ökumenische Gruppe ist, dachte ich an diese Orte. Und siehe da: die Wahl fiel auf Rom.

Und eine Vorbereitungsgruppe überlegte – auch mit mir -, was alles vorzubereiten ist. Beziehungen kamen ins Spiel, Talente und Connections. Und so entstand ein wahnsinnig dichtes Programm. Auch ich konnte mich einbringen. Ich organisierte einen ökumenischen Gottesdienst in St. Peter (was schon der Überzeugungsarbeit bei den Verantwortlichen bedurfte, aber dann problemlos war), und eine theologisch-geistliche Führung durfte ich auch gestalten. Und es kamen andere Orte und Treffen dazu: Begegnung und Gottesdienst mit San Egidio, Gartenarbeit im Projekt der „ecumenical gardens“ und eine Begegnung mit Erzbischof Gänswein, den jemand recht gut kannte.

Und schließlich sollte das Treffen dazu dienen, über die Zukunft des Netzwerkes nachzudenken, dass immer mehr wächst und inzwischen über 100 Personen zählte. Summa summarum: in knapp zwei Tagen ganz große Dichte, voller Erfahrungen, voller Begegnungen und reichen Gesprächen.

Freude

Schon am ersten Abend, ja schon im Vorfeld bei der reichen Mailkorrespondenz, fiel ein Wort immer wieder. Ein typisch christliches Wort, das aber in vielen christlichen Kontexten so oft gar nicht fällt. „Freude“, „Vorfreude“ – und das passte zu den Gesichtern, zur Energie und Kraft, die diese Gemeinschaft verströmte. Und das beeindruckte mich durchgängig in diesen Tagen direkt vor Pfingsten. Ja, der Geist der Freude, der Geist des Aufbruchs, der war hier immer wieder spürbar. Und eine Grundhaltung, die diese Tage als Geschenk entgegennahm. Das Staunen und das Sich-einlassen auf neue Erfahrungen, die Offenheit für ungewohntes, die Lust am Entdecken und Verstehen – eine solche kreative und pfingstliche Atmosphäre machte aus diesen Tagen eine tiefe geistliche Erfahrung.

Anders, als würde man in ein Kloster gehen und schweigen: wenn ich hier als geistlicher Begleiter eingeladen worden war, dann vor allem darum, um als „Mystagoge“ mitzuwirken: auszuleuchten, welches Geheimnis uns umgibt, welche Geschichte der Gegenwart des Auferstandenen uns bewegt, durch alle Zeiten, im Rom des Petersdoms wie in der Erfahrung einer Aufbruchsbewegung wie San Egidio. Aber das war gar nicht schwierig, weil alle Antennen dieser beeindruckenden Christinnen und Christen auf Empfang standen – und empfingen.

Mehr als erwartet: denn so ist es ja immer. Am Mittwoch vorher, auf dem Petersplatz, konnte die Vorhut dem Papst eine „Netzwerkbibel“ zeigen: die Lieblingsstellen aller Netzwerker*innen gemarkert. Und Papa Francesco segnete diese Bibel, und hörte kurz die kleine Geschichte des Netzwerkes. „Go weiter“, kommentierte er. Ich hörte diese Geschichte und dachte: das ist wie eine Gründungsgeschichte, die sich hier zeigt: die Wortes des Papstes als ungeheure Ermutigung zum Weitergehen, und die Bibel als Grund des Weges.

Die Zukunft der Kirche

Und wenn wir am Samstagmorgen uns auf der herrlichen Terrasse von Santa Maria Bambina direkt am Petersdom trafen, um über die Zukunft der Kirche und des Netzwerkes nachzudenken, dann geschah dies in einer Atmosphäre voller Kraft, voller Energie und voller Gebet. Und ja, dann ist es überhaupt nicht mehr schwer, von der Zukunft zu reden. Denn sie ist ja schon Gegenwart. Alle meine Erfahrungen, die ich erzählen sollte, vom Bibelteilen, von den Small Christian Communities bis zu den Fresh expressions of church – sie waren nichts als eine konsonante Erzählung zu allem, was wir schon gemeinsam in diesen Tagen erfahren hatten: das gemeinsame Essen im inklusive Restaurant der Gemeinschaft San Egidio, die Gebete auf der Terasse, die Liturgie in S. Maria in Trastevere, das Gärtnern in einer ökumenischen Initiative.

Und natürlich die Audienz mit Bischof Gänswein, und eine unerwartete Viertelstunde allein in der Sixtina…

Und ich? Ich war im „Wir“. Denn der Geist Gottes ist ja so: wo er wirkt, verbindet er Menschen. Ich war eigentlich nicht mehr Begleiter, ich war einer unter Brüdern und Schwestern. Alles also ganz einfach, und mit pfingstlicher Geistkraft. Und ja, ich genoss diese Gemeinschaft, und sobald ich dann wieder nach Hause flog, vermisste ich diese wunderbaren und feinen Menschen.

Pfingstliche Rosen

Am Pfingstsonntag war ich wieder zu Haus, aber einige waren am Morgen zum Pantheon unterwegs. Ich konnte es über die Whatsapp-Gruppe verfolgen. Im Pantheon regnet es Rosenblüten im Gottesdienst zu Pfingsten. Und ich sah die Christen@Rom, wie sie die Rosenblätter genossen. Und einfach glücklich waren. So ist das Geschenk von Pfingsten, durch das Kirche entsteht. Ganz frisch, ganz einfach, ganz ursprünglich.

Und das ist schon Gegenwart in dieser neuen Form gelebter Kirche, in deren Mitte die Geistkraft ihre Stärke zeigt, Heimat schenkt, ermutigt. So ist Kirche der Zukunft. Schon jetzt. Und eigentlich immer.

 

 

 

Der Beamer wirft seinen Text auf die Bibel: empowering people – so lautet der Text, der sich quer auf der Bibel befindet, die Steve in der Hand hält. Damit ist viel, damit ist fast alles gesagt. Zumindest über die Quelle, aus der hier alles kommt. Denn in der Tat: sie ist der Ur-Sprung.

Wir sind hier in einer leergeräumten Kirche, die aber alles andere als leer ist. Das war vor 10 Jahren noch anders. Da hatte die evangelische Pfarrei in Moabit diese Kaiser-Wilhelm-II-Kirche geräumt und aufgegeben, unter großen Schmerzen und Druck. Vieles drumherum, das Pfarrhaus und das Pfarrzentrum waren baufällig, der Kindergarten geschlossen. Mitten im sozialen Brennpunkt Berlin Moabit. Und als alle Zeichen schon kurz vor Verkauf standen, da stand Steve vor der Tür…

Und sah. Hinter ihm schon ein langer Weg: Ausstieg aus dem Beruf, Einstieg in ein theologisches Studium. Und das alles angetrieben durch eine Vision und eine klare Richtungsentscheidung: eigentlich braucht es eine neue Art des Christseins, des Kircheseins – eine Gemeinschaft, die anders die Sendung Jesu lebt. Nein, es kann nicht einfach in das „normale“ Pfarramt gehen. Und so bildete sich eine kleine Gemeinschaft schon während des Studiums. Sie wollten in Gemeinschaft weitergehen.

Und Steve erzählt spannend von der Ursprungsvision: es geht um die Kraft de Gegenwart Christi, die Menschen verbindet – und um den Geist, der antreibt. Es geht um die Kirche! Es geht ihm die Präsenz des Auferstandenen in seinem Leib.

Wie oft mir das begegnet: in ganz vielen Aufbrüchen. Es geht eben nicht Strukturreformen, es geht um den Ursprung, die gründende Wirklichkeit, den Geist, der spürbar ist, verbindet und sendet. Also um den pfingstlichen Grundimpuls.

Steve und Ellen erzählen, und es ist, als könne man erkennen, wie sehr alles ineinanderfließt: die tiefe Ursprünglichkeit des Osterglaubens und seiner Erfahrung, die Begabung zur weiten Vision und die Erdung am konkreten Ort. Das gehört zusammen. Und das zeigt sich auch: in einer wunderbaren und feinen Willkommenskultur, in der intensiven Verortung im Stadtteil, die dazu geführt hat, dass dieses Projekt weit mehr ist als eine „Kirche“: sie wird zum Ort, an dem Menschen, Initiativen und Bewegungen andocken können; hier entstehen neue Projekte, die dem Stadtteil zu Gute kommen; hier wird ein Kindergarten neu gebaut, der Kindern neue Chancen gibt. Und… es entsteht ein „Konvent“, eine Community, die ein gemeinsames Leben wagt.

Das Wort: empowering People…

Inspiriert… durch das Wort Gottes. Das nämlich nimmt Steve zur Hand, und es ist in der Tat ein Grundzug der Innovation an diesen Ort und an allen Orten, dass immer wieder die Schrift, das gemeinsame Hören, das Unterscheiden der Wege im Licht des Wortes  eine konstitutive Rolle spielt.

Wir sind beeindruckt! Die Referent*innen der Pastoralabteilung meines Bistums sind berührt von diesen Anfängen, und es wird auch klar, dass wir dieses gemeinsame Vergewissern des Ursprungs auch brauchen, dass auch wir ne gemeinsame Sendung haben, dass auch wir teilen wollen. Das wird auch uns verändern.

Merkmale eines Aufbruchs

Aber noch mal zurück. Vor 10 Jahren haben wir in England die freshX Bewegung kennen gelernt und waren fasziniert. „Mind the gap“, sagten wir damals. Man kann es nicht einfach übertragen… und man kann es nicht machen, das war sofort auch klar. Und deutlich war ja auch, dass es hier einen Prozess über lange Jahre gab, auch sehr schmerzhaft, weil nämlich am Anfang keineswegs nur Jubel da war über die verrückten Aufbrüche. Mehr und mehr aber machten sich Bischöfe diese Aufbrüche zu eigen, öffneten Räume und schufen ein Klima, in dem diese Perspektive frischer neuer Kirchenformen sich entwickeln konnte.

Und zu vergessen war auch nicht: dass es neue Formen der Kirche gibt, hängt auch damit zusammen, dass vieles „Klassische“ in der anglikanischen Kirche gestorben war… Schon länger…

Aber 10 Jahre später stehen wir mitten in Berlin. Und ja, man könnte sagen, dass hier inzwischen, wie in vielen anderen Städten, eine Welle von kirchlichen Aufbrüchen zu spüren ist. Und ihre Entstehung ist – immer auch – komplex: ein Kairòs, ein Zusammentreffen vieler „Zu-fälle“, die erst zusammen das Puzzle der Innovation bilden

  • Begeisterte Visionär*innen und Charismatische Menschen, die miteinander einen Traum in die Welt bringen
  • Verwurzelung und Inkulturation in einem bestimmten Kontext – sich gesendet wissen zu den Menschen
  • Der leere Raum, der durch das Sterben klassischer Modelle frei wird
  • Die „richtigen“ Leute, die sich dann um den Kern dazugesellen mit ihren Talenten
  • Das Commitment eines „Bundes“, der Menschen verbindet
  • Und schließlich: andere „Erlaubnisgeber*innen“ und Sympathisant*innen in der größeren Organisation, die durch die kritischen Synodenjungel leiten.
  • Es ist immer die Schrift, die Menschen ermutigt, in Bewegung bringt und verwandelt.

Das ist alles nicht ausrechenbar, aber es geschieht immer wieder. Und es zeigt eines an: Es ist nicht das Geld, das Erneuerung machen kann – aber ohne Geld geht es nicht. Es ist nicht die Institution und Organisation, die es planen kann – aber ohne sie geht es nicht. Man braucht kein Politiker sein – aber ohne Sympathisanten in diesem Bereich geht es nicht.

Und schließlich: es fordert alle Gaben und Kräfte – aber es ist immer ein Geschenk. Das ist das Faszinierende an der Erneuerung, die schon da ist, mitten unter uns. Und wir haben vor allem eine Aufgabe: uns selbst zu fragen, welches unser spezifischer Dienst daran ist (Charismatiker, Erder, Wegöffner, Ermöglicher, Pionier, Geschichtenerzähler, Vernetzer) – und alles dafür zu tun, dass das, was Gott schenken will, auch angenommen wird.

1… 2… 3

Und schließlich spricht Steve davon, dass hier ein dritter Ort des Kircheseins entstanden ist. In der Diskussion in der Berliner Kirche ist das ein geläufiges Reden: Dass neben den 1. Orten (Kirchengemeinden) auch 2. Orte (Einrichtungen) existieren und neue (3.) Orte entstehen können. Das macht deutlich: die vielen unterschiedlichen und nicht aufeinander reduziblen Orte bilden zusammen jenen „Polyeder“, jenen viel-seitigen Diamanten ab, der Kirche ist – und der nur gemeinsam jenen Christus bezeugt, um den es ja geht.

 

 

Immer noch Mellituscollege… Schon bei meinem ersten Besuch fragte ich mich, wie denn die Priester*innenkandidaten in England ausgesucht werden. Und dieses Mal – bei unserem Besuch am College und beim Mitleben mit dieser fantastischen Gruppe motivierter junger Leute, voller Leidenschaft für den Glauben und Lernlust für Theologie – stellte sich mir die Frage noch mal mehr. Woher kommen diese Studierenden – wie findet ihr die?

Ein faszinierender Weg der Berufungsfindung

Natürlich. Wenn neue Formen von Gemeinschaft und Kirche aufbrechen, aber auch wenn in gewachsenen Pfarreistrukturen begeisterte Priesterinnen und Priester, Pastoralworkers oder Engagierte wirken, dann werden auch junge Menschen aufmerksam. Und vor allem dann, wenn der Glaube in Wachstumsprozesse treten kann: wenn „discipleship“ zu einer Kultur des Christwerdens führt, dann werden Menschen aller Altersgruppen sich nach ihrem Weg, nach ihrer Berufung fragen.

Aber wie funktioniert das dann in England bei den Anglikanern? Es ist – so wurde uns im Gespräch mit Graham Tomlin deutlich – ganz anders als bei uns. Und es hat schon überrascht, von ihm zu hören, dass ein Berufungsprozess nach klaren Kriterien verläuft, und die haben es in sich…

Das ist die erste kleine Bombe, die Tomlin bei uns zündete… Und in der Tat. Wer diese Kriterien liest (https://www.churchofengland.org/sites/default/files/2017-10/selection_criteria_for_ordained_ministry.pdf), der kann nur erstaunt und begeistert sein: Detaillierte, aber transparente Kriterien zur Berufungsfrage (1), zum Engagement in der Kirche von England (2), und damit zur Frage der Inkardination in einen spezifischen kirchlichen Kontext, die Frage nach der eigenen Spiritualität (3), nach Persönlichkeit und Charakter (4), nach Beziehungsfähigkeit (5), Selbstwirksamkeit und Leadership, aber eben auch nach einer Teamfähigkeit (6), dem eigenen Glauben und der „generous orthodoxy“ (7), nach einer missionalen Ausrichtung (8) und dem eigenen Mindset und dem Denkvermögen (9), bilden einen Kranz von Wachstumskriterien der Berufung, der allen Kandidat*innen die Ernsthaftigkeit, aber auch die Objektivierbarkeit ihrer Eignung oder Nichteignung vermitteln.

Was für ein Unterschied das macht, ist mir beim Besuch in Mellitus aufgefallen, auch dem Regens, der mit uns war: soviel Freude und Energie und Leidenschaft ist nicht überall zu finden…

Ein längerer Weg… 

Und wie geht das nun konkret? „18 Monate dauert es in der Regel, unser Assessment“, so erzählt Graham Tomlin. Und wie genau, berichtet er uns in kurzen Skizzen.

  • Ein Kandidat, eine Kandidatin meldet sich bei Ihrem Pfarrer/Pfarrerin. Die Begegnung setzt voraus, dass die Kandidat*innen schon in einem kirchlichen Zusammenhang mitleben, denn die Frage nach der Berufung ist auch immer eine Frage, ob die jeweilige community die Berufung entdecken kann. Fragen wie diese: „Ist eine echte Lebensveränderung mit der Berufung einhergegangen?“, machen deutlich, dass hier auch vorausgesetzt ist, dass jemand eine gewisse Reife im Glauben und in seinem kirchlichen Leben hat, und auch andere ihn und seinen Charakter erkennen können. Das Gespräch mit dem Pfarrer kann zu einer Empfehlung führen, den Assessmentweg weiter zu gehen.
  • Auf diözesaner Ebene gibt es einen Verantwortlichen, der im Namen des Bischofs das Gespräch mit dem möglichen Kandidat*innen führt. Die Kriterien sind immer dieselben, aber es gibt eine intensivere Begleitung der Kandidat*innen auf ihrem Weg. Erfolgt hier ein „go“, empfiehlt der Bischof den Kandidaten der anglikanischen Kirche als ganzer.
  • Der dritte Schritt ist deswegen ein Assessment auf nationaler Ebene. Ein dreitägiger Prozess mit Kandidat*innen aus den verschiedenen Diözesen der Kirche von England findet mehrmals im Jahr statt. Ausgebildete Begleiter*innen gestalten diesen Kurs, bei dem auch die Teamfähigkeit eine wichtige Rolle spielt. Dieses Ausbildungsteam meldet dann an den Bischof zurück, ob es eine Empfehlung oder Ablehnung, oder eine eingeschränkte Empfehlung gibt…

Natürlich ist der Bischof frei, auch abgelehnte Kandidat*innen studieren zu lassen, klug wäre es in keinem Fall. Die Kandidat*innen haben in den meisten Fällen die Freiheit, Ihren Studienweg frei zu wählen – es gibt sehr unterschiedlich profilierte Colleges in der Kirche von England, von sehr akademischen hin zu sehr pastoralen, von evangelikalen über liberale hin zu katholisch geprägten. Oder eben zu Mellitus…

Wenn von 700 Student*innen fast 300 Mellitus wählen – was sagt das dann aus. Sehr beeindruckend ist diese Resonanz, und sie zeigt die Attraktivität eines Studienwegs, der schon längst nicht mehr in den Anfängen ist… Und was bedeutet das für uns?

Und wir?

Die Frage nach der Berufung und der Eignung der Kandidatinnen ist die Kernfrage. Und bislang erlebe ich hier eine theologische Unsicherheit, die es in Zukunft so nicht geben darf. Von daher inspiriert mich das Beispiel aus England – und eigentlich ist es nicht so schwer, hier einen neuen Weg zu bahnen, der allerding emotionale Muster sprengt.

Und ich erlebe, dass die Suche nach neuen Wegen der Ausbildung auch verknüpft ist mit weiteren grundlegenderen Fragen: sind wir als Kirche weiterhin im Bestandssicherungsmodus, oder darf man nach vorne träumen zu einer mixed economy verschiedenster Formen der Kircheseins, nach neuen Rollen für Pfarrerinnen und pastoralen Mitarbeitern, nach mehr Gemeinschaft und mehr Individualität in Ausbildungswegen, nach mehr Vertrauen in den Geist der Lernlust.

In England hat sich unsere ökumenische Gruppe anstecken lassen. Aber – es geht nicht nur um Ausbildung, es geht um eine andere kirchliche Kultur, andere Haltungen, andere Perspektiven. Es geht um Mut, und um geduldiges und zugleich kraftvolles Weitergehen.

Ich hoffe, dass angesichts kollektiver Ratlosigkeit und auch einer bestimmten Zurückhaltung zur Veränderung, neue Schritte möglich werden…

 

Wir waren uns einig. Die theologische Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern, von Priestern und Pastoralen Mitarbeiterinnen ist – vorsichtig gesagt – suboptimal. Es ist wenig Kraft spürbar, wenig Aufbruch, und das mitten in unserer kirchlichen Situation, die im völligen Umbruch ist. Kann man da ernsthaft denken, dass die Ausbildung und das Theologiestudium davon unberührt bleiben? Betrifft der Paradigmenwechsel, der sich abzeichnet, nicht auch dieses System. Und was wäre, wenn das nicht so wäre?

Kurzum: es braucht auch hier eine mutige kulturellen Revolution oder doch zumindest ein neues Betriebssystem. Und ja, es ist schon klar, was dann passiert: alle guten Gründe zur Bestandswahrung werden der Selbstimmunisierung dienen. Die Bestandswahrung des universitären Gefüges ist gut begründet im Gange. Und deswegen: es geht nicht darum, das bisherige Gefüge in Frage zu stellen – aber: darf und muss man nicht neues versuchen?

Und deswegen sind wir nach England gefahren: katholische und evangelische Geschwister, die wir uns in Fribourg bei den theologischen Studientagen getroffen und gefunden hatten, und jetzt mit weiteren Kolleginnen auf dem Weg nach London waren, um die erstaunliche Erfahrung des Melltius-College zu erleben und zu verstehen. Und: um uns zu fragen, wie so etwas auch bei uns wirklich werden kann, in unseren Kirchen, länderübergreifend und konfessionsübersteigend…

Ein Morgen in Mellitus

Und um 9h geht’s los. Nur 50m von unserem Hotel ist das Mellitus-College. Eine alte Kirche – St. Jude, der Patron für aussichtslose Fälle. Diese Kirche ist umgebaut, und beherbergt heute ein College für 300 Studentinnen und Studenten aus ganz England. Wie die hierherkommen, das ist ein eigenes Kapitel…

Ein fröhliches Hallo, herzliche Begrüßungen, Umarmungen, aber auch wir fühlen uns in dem Gewusel sofort aufgenommen. Kaffee und leckere „Gipfeli“, wie die Schweizer Freunde sagen würden. Und Gespräch ist leicht. Welcome – an diesem Ort leichter und froher Gastfreundschaft

Jeden Montag, und nur an diesem Tag, kommen alle Student*innen zusammen – es ist der Studientag in einem Kolleg, das eine ganz eigene Studienordnung hat: am Montag gemeinsames Studium sowie Coaching und Praxisreflexion in Gruppen, Dienstag und Mittwoch Selbststudium zu Haus, den Rest der Woche Mitarbeit in einem kirchlichen Kontext, mit einem Mentor. Dazu mehrere gemeinsame Wochenenden und eine jährliche gemeinsame Studienwoche. Drei Jahre dauert der Bachelorstudiengang, der eng mit der Praxis verknüpft ist. „Das geht“, sagt später Bischof Graham Tomlin, Oxfordprofessor, „zumal unser Theologiestudium fokussiert ist aus ministry und mission. Wir wollen Pastor*innen ausbilden, keine Universitätstheolog*innen“.

Dann um 9.30 beginnt der Gottesdienst. Schon am Vorabend waren wir in Holy Trinity Brompton, der Gemeinde des Alphakurses, gewesen. Ein hipper Lobpreisgottesdienst, mit Taufe, mit langer Predigt eines kanadischen Gastpredigers. Aber jetzt hier, ganz anders, viel tiefer: ein Psalm und ein Schrifttext – und dann eine Auslegung. Eine Studentin erzählt. Wir sind alle berührt, von der Tiefe, der Offenheit und Geisterfülltheit ihrer Geschichte, ihrer schmerzlichen Erfahrungen, ihres Glaubens, ihres Lebens. Atemlose Aufmerksamkeit, die ins Gebet führt. Beeindruckend. Das prägt den ganzen Tag, der jetzt startet.

Wir können die verschiedenen Vorlesungen besuchen, erleben sehr solide Lehrveranstaltungen, die immer wieder unterbrechen, damit die Studierenden diskutieren und verknüpfen können mit ihren praktischen Erfahrungen. Vor mir sitzt eine Studentin, mit der ich ins Gespräch komme… „Nein, ich habe nicht die Berufung zur Priesterin – ich bin einfach sehr engagiert in meiner Pfarrei, und wollte Theologie vertiefen – und ich bin tieftraurig, dass die drei Jahre jetzt zu Ende sind…“

Und dann ist die Mittagspause. Eine Stunde mit Sandwiches, Gesprächen und Salat. Fröhliches Gelächter. Und dann folgt die 12er-Gruppe, eine Reflexionsgruppe, in der Theologie und Praxis verknüpft werden. Beeindruckend ist ja, wie hier die Studierenden miteinander umgehen, wie persönlich die Beziehungen sind – und wieviel Lernlust zu spüren ist. Für alle geht es hier um etwas, was ihre Leidenschaft ist!

Auf der Suche nach dem Geheimnis

Wir aber löchern Graham Tomlin. Mit Fragen. Wie ist dieses College eigentlich entstanden? In England gibt es viele Colleges, mit sehr unterschiedlichen Profilen, von evangelikalem Ende der anglikanischen Kirche bis zu Highchurch Colleges, die katholisch sind. Warum noch eins mehr. Es war im Jahr 2005. Tomlin war seit 15 Jahren Uniprofessor in Oxford und bemerkte die außergewöhnliche Distanz zwischen Praxis und der akademischen Theologie. Und suchte nach etwas Neuem. Und der Beginn war ein kleiner theologischer Grundkurs für Engagierten aus Pfarreien. Mit neun Leuten fing es an – es war eine praxisorientierte Theologie, erfahrungssatt und missionsorientiert. Und schon bald kamen Studierende dazu, die in der anglikanischen Kirche ordiniert werden wollten. Immer mehr. Die Resonanz ist ungeheuerlich, denn in der Kirche von England können die Kandidat*innen in der Regel ihren Studienort selbst wählen.

„Und weil wir nicht und niemals sagen, dass wir besser und neuer sind als andere, weil wir immer nur unser Profil schärfen, weil wir niemanden ersetzen wollen – deswegen geht es“, lächelt Tomlin. Und inzwischen entscheiden sich 300 von 700 Studierenden für Mellitus. Und das liegt bestimmt an der klaren Vision, die dem Studium zugrunde liegt. Natürlich kann man – hier und an anderen Orten – auch akademisch weiterstudieren, aber hier geht es vor allem um den pastoralen Dienst. Und klar ist auch hier, dass es natürlich unterschiedliche Rollen und Dienste gibt, von Pfarrer*in bis zum Pastoral worker, von Jugendseelsorger*in bis Gemeindegründerin – aber immer um den Dienst an der Mission. Und während auch während des Studiums geht es darum die Perspektive der Kandidat*innen zu schärfen – und zu entdecken, wie ihre Sendung sich am besten verwirklichen kann. Nicht jeder muss Pfarrer*in werden – es gibt besondere Wege für jede und jeden, und gerade die Mentor*innen sollen dafür sorgen, dass sich das im Studium herauskristallisieren kann.

Aber, so Tomlin, alles hängt an der Vision einer Kirche, die „healthy“ ist: ABCDE – so heißen die Faktoren: Anbetung, Zugehörigkeit in einer Gemeinschaft, Bei den Armen sein, Nachfolge und Evangelisierung (Adoration – Belonging – Compassion – Discipleship  – Evangelism). „Solche Pfarreien gibt es genug…“, sagt Tomlin, „und unsere Kandidat*innen werden hier mit einer halben Stelle angestellt, schon während des Studiums. Das ist ein echtes „Win-Win“ – denn: die Pfarreien haben eine jungen, motivierten Mitarbeiter, und die Studentinnen haben ein tolles Lernfeld“.

„Generous orthodoxy“

Ja, es stimmt. Das Mellituscollege ist ursprünglich vom evangelikalen Flügel der anglikanischen Kirche geprägt. HTB Brompton und der Alphakurs stehen dafür. Aber – so erzählt Tomlin – es ist wichtig, dass die Kandidatinnen alles kennen lernen, und schätzen lernen können: vom Lobpreis bis zur Highchurch – alles gehört zur Weite der anglikanischen Kirche. Und wer ein Amt in dieser Kirche wahrnimmt, braucht ein weites Herz, braucht eine „weitherzige Orthodoxie“, eine Liebe zur ganzen Kirche.

Sehr beeindruckend, was Tomlin uns erzählt. Und wer nach dem Geheimnis fragt, wie all das entstehen konnte, der bekommt eine klare Antwort von Bischof Tomlin: „Es war und ist ein langer Weg, den wir gehen. Und er beginnt mit einer tiefen Krise, mit einer Situation großer Schwäche, wo wir neu über unsere Rolle als Kirche nachdenken mussten… Und Mellitus ist einer der Versuche, auf die postmoderne Herausforderung zu antworten, postmodern und radikal zu sein…“

Begeistert

Dass wir begeistert sind, „angefixt“, wie einer der reformierten Freunde sagt, versteht sich. Und wir beginnen deswegen, an einem anderen Ausbildungsweg rumzudenken, ökumenisch und landesübergreifend, radikal und profiliert, für alle, die Theologie in anderer Weise leben und lernen wollen – für die Christinnen und Christen, die sehnsüchtig nach einer anderen Weise des Kircheseins Ausschau halten. Und wer mag mitmachen?

 

 

Was genau geschieht hier, bei der Tötung des Heiligen Stephanus? Und was macht die Provokation aus, die zur Tötung des Stephanus führt. Und warum provoziert Stephanus ohne Unterlaß? Worum geht es ihm?

Stephanus war einer der sieben, die das Volk Gottes auswählte, als es zum ersten Mal zu einer Wachstumskrise der jungen Gemeinde kam. Sie sollten vor Ort die kleinen Gemeinden begleiten und ihnen vorstehen. Er war, so sagt die Schrift, ein Mann des Wortes, der Begeisterung – „voll Gnade und Kraft“ steht in der Schrift. Und er legt lange, sehr lange, die Schrift aus. Und das erregt und erzürnt die Leute total. Er ist auch nicht sanft: Ihr Halststarrigen, so wirft er ihnen entgegen. Und provoziert also nachdrücklich, indem er ihnen erklärt, dass sie keinen echten Einblick in das erste Testament haben. Kein Wunder, dass die Reaktion dann nicht auf sich warten lässt: „Als sie seine Rede hörten, waren sie aufs äußerte über ihn empört und knirschten mit den Zähnen…“

Und jetzt, spätestens jetzt, hätte er ja schließlich aufhören können. Es wäre die Gelegenheit, sich zurückzuziehen. Und dann hätte er ja, wenn es ruhiger geworden wäre, noch einmal weiterreden können. Aber er tut es nicht. Er redet weiter, er provoziert unerträglich. Warum tut er das?

Wir hören im Evangelium:: „Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist wird durch euch reden“. Genau das passiert hier: Stephanus wählt nicht eine bestimmte Taktik, er „muss“ reden, er ist nicht politisch unterwegs, sondern erzählt, was er sieht. „Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen“.

Das reicht, und auf einmal beschleunigt sich die Geschichte: da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.“ In einem Vers. Ist er tot.

Aber was ist es, dass darin so provoziert. Warum regt das die Juden so auf? Und kann das noch uns erreichen, und vielleicht sogar provozieren? Oder ist es so selbstverständlich normal für uns?

Was sieht Stephanus? Er sieht Jesus, den Menschensohn, zur Rechten Gottes. Er sieht nicht einen Gott, der von oben sich um die Menschen kümmert, er sieht nicht einen einzigartigen, allmächtigen und herrlichen Gott, der sich der Menschen erbarmt – er sieht Gott, der den Menschen ihm ebenbürtig macht, der mit dem Menschen in derselben Wirklichkeit steht, der in eine gleichwürdige Beziehung tritt – und wo jetzt die Herrlichkeit im Zwischen liegt, eben in der Beziehung.

Herrlichkeit ist nicht mehr Gottes Größe, die den Menschen zum sterben bringt, weil sie so hell leuchtet, dass der Menschen es nicht mehr aushält. Herrlichkeit – das ist jetzt die Beziehung zwischen Gott und den Menschen.

Ganz klar: für die Juden ist das Gotteslästerung, und es ist genau jene Gotteslästerung, wegen der Jesus stirbt. Und jetzt Stephanus. Das ist der totale Umbruch. Nicht mehr ein Oben Gottes und ein Unten der Menschen, sondern eine Miteinander in derselben Herrlichkeit, auf Augenhöhe.

Von daher ist Stephanus Tod eine Spätkonsequenz von Weihnachten: denn hier genau geschah es ja: Gott wird Mensch, und seitdem ist Mensch und Gott auf Augenhöhe, in Beziehung. Und seitdem geht es um die gleichwürdige Beziehung.  Der Himmel ist offen, weil wir alle in diesem Himmel leben können: Mensch und Gott, Mensch und Mensch.

Und das provoziert. In diesen Wochen hat unser Bischof ein Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger gegeben, in dem er angesichts des Missbrauchsskandals davon sprach, dann dies mit der DNA der Kirche zu tun habe. Genau so ist es: Denn wenn in den Beziehungen in der Kirche, in den Gemeinden, in den Beziehungen ein Oben-Unten ist, dann steckt darin eine tiefe Fehlinterpretation des Gottesverhältnisses, dann ist damit jene Grundprägung völlig unterboten und verfälscht, für die Stephanus gestorben ist. Sie entspricht in keiner Weise dem Evangelium vom Kind, von Weihnachten, von der Liebe, die den Menschen zur Rechten Gottes erhöht.

Die innere Gestalt der Kirche, die innere Prägung alles dessen, was wir Kirche nennen, ist nur in dieser Provokation authentisch: in unserem Ursprung, in unserem Werden steht diese neue gleichwürdige partizipative Beziehung zu Gott. Und „Herrlichkeit“ meint genau jene Erfahrung des Zueinander, des Miteinander, der Gegenwart des Geistes zwischen uns.

Im Hören auf diese Botschaft habe ich mich an ein Gespräch mit einer Krankenschwester erinnert. Sie erzählte mir, und ich hörte staunend und beeindruckt zu, wie sie mit Patienten umgeht: es geht um eine Umkehrung der Situation. Denn normalerweise ist der kranke ausgeliefert, ohnmächtig, eben krank. „Mir geht es darum, dass er oder sie erfahren kann, welche Möglichkeiten sie hat, ich eröffne den Raum, in dem sie sich als würdig und wirksam erfahren kann, mitten in ihrer Ohnmacht…“ Im Hören dieser Praxis ist mir der Philipperbrief in den Sinn kommen, wo Paulus schreibt: „Ein jeder schätze den anderen höher ein als sich selbst“, ja: es geht darum, dass wir den anderen groß machen, uns in eine gleichwürdige Beziehung mit ihm stellen.

Dafür wird heute keiner mehr gesteinigt? Vielleicht nicht. Aber dennoch gibt es die Normalität dieses Fehlverständnisses von Hierarchie, von oben-unten, von Macht und ihrem Missbrauch, von Zementierung von Machtverhältnissen, vom Kleinmachen. Und ja, hier ist die Botschaft des Evangeliums für jede Beziehung, für unsere Gemeinde, und für unsere Kirche eine Provokation, die uns erinnern will, wo wir sind: im Raum der Gleichwürdigkeit, der Beziehungen, die das Wohl des Anderen sucht, die die Macht der Kompromisse schätzt, und nicht die Macht der Fakenews und der Überwältigung.

Das ist unsere frohe Botschaft – das ist die Hoffnung auf Herrlichkeit zwischen uns, wie Paulus es formuliert: „Christus ist unter uns, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit“ (Kol 1,27).

Das Wort ist Fleisch geworden

Vor etwa drei Wochen etwa, war ich bei einem Workshop. Und ich saß neben einem pastoralen Mitarbeiter des Bistums. Und auf seinem Arm las ich die Worte – auf Griechisch: „Im Anfang war das Wort“. Das hat mich tief beeindruckt. Denn diese Worte, mit denen das Johannesevangelium beginnt, die waren in sein Fleisch geritzt, die waren eintätowiert. Und natürlich, ich dachte sofort an das, was ein paar Zeilen weiter beim Johannes steht: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Ja, genau. In diesem Kollegen ist es Fleisch geworden, buchstäblich, für immer. Und ich habe ihn dann gebeten, dass ich seinen Arm fotografieren darf. Klar, und jetzt werde ich dieses Bild weiterverwenden.

Und genau das feiern wir ja heute. Das ist das Geheimnis des Weihnachtsfest. Wir können ja im Hebräerbrief, ganz am Anfang, das noch einmal lesen: „Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten – in dieser Endzeit hat er zu uns gesprochen durch den Sohn“ (Hebr 1,1).

Gott hat immer schon gesprochen, von Anfang an, zu uns Menschen, auf vielerlei Weise. Und wir haben das gehört in dieser Adventszeit und jetzt auch zu Weihnachten: „Das Volk, das im Dunkeln ist, hat ein helles Licht gesehen“ oder: „Jubelt, ihr Trümmer Jerusalems“. Gott spricht immer hinein in die dunklen Stunden seines Volkes und verheißt eine Zukunft. Er spricht hinein in ein Volk, das erschüttert und sprachlos ist – ob der entsetzlichen Kriege, ob des Verlustes des Heimat – oder gerade auch im Angesicht des zerstörten Tempels. In diesen Situationen absoluter Katastrophe, die auch sprachlos vor Entsetzen machen, da verheißt er eine Zukunft.

Aber das war nicht nur vor 2500 Jahren so, in der Zeit der Propheten. Das ist auch heute so. Auch heute sind wir häufig sprachlos – ich bin sprachlos.

Ich bin sprachlos, wenn ich an unsere Gesellschaft denke. Wenn wir nicht mehr miteinander reden können, wenn wir uns polarisieren, wenn wir nicht mehr zuhören und uns gemeinsamer Werte versichern können. Ich bin sprachlos, wenn ich daran denke, wie Flüchtlinge Tag für Tag im Mittelmeer ertrinken, wenn in Syrien ein schrecklicher Krieg seit Jahren stattfindet. Ich bin sprachlos, wenn ein Pfarrer verstirbt in der Depression und die Nacht seiner Dunkelheit nicht mehr aushält. Ich bin sprachlos, wenn ich mitbekomme, dass dieses Weihnachten für eine Familie wahrscheinlich das letzte ist, weil sie sich trennen. Wenn Missbrauch geschieht, Macht eingesetzt wird. Das macht sprachlos, dass lässt uns ohnmächtig und zerbrochen zurück.

Und wir erwarten vielleicht, dass Gott etwas sagt, mehr als nur Verheißungen. Aber er spricht nicht so wie Dumbledore oder Harry Potter, die mit Ihrem Zauberstab und einem „Expelliamus“ die Welt verändern.

Nein genau so ist es nicht. Gott verheißt ein Kind. Und damit wird alles ungeheuerlich, wunderbar anders: Gott der Allmächtige, Gott, das Wort, wird sprachlos, macht sich sprachlos, wird Kind, wird wie wir.

Er wird in Jesus sprachlos, denn Babys können nicht sprechen. Er wird zerbrechlich statt hart, er wird machtlos und ganz angewiesen auf uns. Angewiesen auf Worte der Liebe, auf umarmende Zärtlichkeit, auf heilende Liebe – er eröffnet uns die Möglichkeit, wieder die zu sein, die wir von der Schöpfung her sind: Liebende. „Allmächtiger Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen… und noch wunderbarer wiederhergestellt“, so haben wir gebetet am Anfang, im Tagesgebet. Und verstehen jetzt: ja, er wird Kind, damit wir wieder wir selbst sein können, wie wir von Anfang an sind.

Aber eben noch mehr: indem er sprachlos wird, nimmt er unsere Sprache und sie kann Sprache der Liebe werden. Er wird zerbrechlich, und nun ist jede Zerbrochenheit sein Ort – er ist da mit uns. Und ja, er macht sich machtlos, mit einem einzigen Ziel. Wir hören noch einmal in den Johannesprolog: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“. Er will, dass wir Er sind. In uns lebt jetzt die Liebe, die Gott ist. Genau so beten wir heute am Ende der Messe: „Barmherziger Gott, in dieser heiligen Feier hast du uns deinen Sohn geschenkt, der heute als Heiland der Welt geboren wurde. Durch ihn sind wie wiedergeborene zu göttlichen Leben…“

Wahnsinn. Wir haben eine neue DNA bekommen. Von nun an geht es darum, immer wieder zurückzukehren zu dieser neuen Wirklichkeit, die sich in uns ereignet hat, weil er so sprachlos wie wir geworden ist, weil er zerbrechlich wurde und zerbrochen ist, weil er machtlos war, um uns die Macht der Liebe zu schenken. Er. Christus. Die Liebe.

Aber wie geht das praktisch? Ich habe mich an eine Geschichte erinnert, die mir d. Giuseppe erzählt hat. Vor einigen Jahren war ich jedes Jahr in seinem Haus in Apulien, mit diesem alten Priester, der in den 70er Jahren auf italienischen Kreuzfahrtschiffen Schiffskaplan war. Er war ein einfacher Mann, der nur italienisch konnte. Irgendwann wurde es Vorschrift, dass er auch Deutsch und Englisch können müßte. Und d. Giuseppe begann zu lernen. Aber – er schaffte es nicht. Er war in London und Süddeutschland. Es brachte nichts. Und dann kam der Tag der Sprachprüfung. Und er ging in die Prüfung und sagte: „Ich kann eine Sprache, die alle verstehen. Und dann begann er seine Erfahrungen zu erzählen, wie er Menschen auf seinen Reisen durch seine Art und Weise über die Worte hinaus und jenseits, nahe war, ihnen geholfen hat, sie geliebt hat. „Ich kann die Sprache der Liebe“. Der Prüfer blieb lange still. Dann sagte er: „Ich wünschte, dass alle Schiffskapläne diese Sprache sprechen können – Sie haben bestanden“.

Darauf kommt es an: Nicht auf die Sprache, das Sprechen, nicht auf die Macht – sondern auf die Liebe, die Sprache der Liebe. Das ist Weihnachten. Zum Glück.