Ich bin inspiriert und begeistert zurückgekommen. Vom 5. Strategiekongress in Bensberg. Und die Begeisterung wuchs über die nächsten Tage noch an. Denn an diesem 2. Adventssonntag hörten wir in der Schrift von einem gigantischen Wegbereitungsprojekt: „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich geben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen…“ (Jes 40). Ja, denn die Gegenwart Gottes inmitten der Stadt, inmitten der Gesellschaft, inmitten des Lebens, darum geht es eigentlich. Wer dann die biblischen Impulse des heutigen Sonntags weiter liest, der stösst noch auf zwei wichtige Hinweise. Im 2. Petrusbrief liest man dann, dass wir – durch unser Leben! – „seine Ankunft beschleunigen“ (2. Petrus 3) können. Und: zweifellos, so sagt das Evangelium, geschieht eine solche Wegbereitung durch einen Neuansatz des Denkens, durch eine tiefe „Umkehr“, wie das Evangelium sagt, wenn es die Botschaft des Täufers Johannes beschreibt.

Soweit, so fromm. Aber ich konnte nicht anders, als mich an die inspirierende Tagung in Bensberg erinnern, in der ich zwei strategische WegbereiterInnen kennen lernen durfte, die mich nicht mehr loslassen.

Da sprach zu uns Mechthild Reinhard, die Mitbegründerin der SysTelios-Klinik. Auf der Suche nach ihrer Sendung im schwierigen und komplexen Feld der Medizin (aber: überall ist es so komplex!) riskiert sie einen eigenen Weg. Nein, wir müssen Wege verlassen, die scheinbar alternativlos sind und Kliniken einfach nur als Organisation verstehen. Nein, denn sie sind Organismen, aus lebendigen Menschen gebaut, die nicht hierarchisch um einen „Chef“ kreisen, sondern eine gemeinsame Mitte haben in dem „Wofür“ ihres Tuns, das sich natürlich immer wieder spezifiziert in die vielen Sachbereiche. Menschen, die – so Mechthild Reinhard – sich um solche „Feuer“ versammeln, werden ihr bestes geben, um ihre Sendung zu erfüllen. Sie sind sich selbst organisierende Communities im Kontext einer gemeinsamen Aufgabe. Selbständig und kompetent, selbstorganisiert und kreativ. Ein atmendes Gefüge, eine leidenschaftliche Wirklichkeit – und in allem steht ein ermöglichendes Vertrauen in alle, die teilnehmen an diesem Weg. Und er funktioniert.

Der Saal war gebannt. Berührt von diesem persönlichen und gleichzeitig wirksamen Weg. Und wir alle ahnten und spürten auch, dass diese Erfahrung irgendwie hin verweist auf die Mitte dessen, was uns im Christentum geoffenbart ist. Und ich dachte: hier wird in der Grundanlage dieses Unternehmens einer der Wege bereitet, auf dass Gott inmitten der Menschen erfahrbar werden kann: Menschwerdung zum Heil der Menschen. Und ja: Mechthild Reinhard ist eine Ankunftsbeschleunigerin

Und der Workshop mit Uwe Lübbermann. Er hatte sich geärgert. Dass die Colaproduzenten die Rezeptur geändert hatten, ohne ihn – als Kunden – zu fragen. Eine ungewöhnliche Perspektive. Dass er darüber zum Colaproduzenten wurde, ist nicht das interessanteste. Sondern wie er sein Tun versteht. Das Unternehmen, das entstand, ging auf neuen Wegen. Denn das Unternehmen – das sind alle: Produzenten, Transporteure, Kunden, MitarbeiterInnen – über 1700 verschiedene Mitwirkende. Und ihm war wichtig, dass alles mit allen besprochen werden wird, und gemeinsam zu entscheiden ist. Ungewöhnlich, diese totale Partizipation. Seit 16 Jahren, in dieser radikalen „Gleichwürdigkeit“, funktioniert dieses Unternehmen und wächst. Und auch hier ist ein unglaubliches Vertrauen leitend, das allen zutraut, gemeinsam für ein Ziel zu handeln.

Und auch hier: diese Grundhaltungen sind Ankunftsbeschleuniger. Denn hier entsteht ein beziehungsreicher Raum für Neues, für Gerechtigkeit, für Teilhabe. Mit einer klaren Ausrichtung auf die Produktion von Cola. Aber es ist eben nicht einfach ein Getränk, das hier produziert wird, es wächst eine Kultur, eine Kultur der Gleichwürdigkeit, der wechselseitigen Achtung, des Vertrauens, der Inklusion. Und dann gilt doch eigentlich: „Seht, da ist euer Gott“. Das Geheimnis einer (gar nicht religiösen) Wirklichkeit offenbart sich hier.

Und wir dürften lernen. Es ist ein großes Geschenk, sich das Geheimnis der Wegbereitung Gottes durch solche AnkunftsbeschleunigerInnen schenken zu lassen. Und gleichzeitig weitet sich die Perspektive in unserem Leben: an so vielen Orten geschieht Ankunftsbeschleunigung – in kleinen wie in großen Kontexten. Und wer würde nicht verspüren, dass dann Gott nahe ist? Wir merken es heilsam: „Brannte nicht unser Herz…“? – Ankunftsbeschleunigerinnen und -beschleuniger braucht es. Denn nur so kann jene Transformation geschehen, die wir erwarten: „An jenem Tag wird sich der Himmel in Feuer auflösen, und die Elemente werden in Brand zerschmelzen. Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“, sagt der 2. Petrusbrief. Und das ist überall nötig.

Alles schon anfanghaft erlebt. Beim Strategiekongress in Bensberg.

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