Lokale Kirchenentwicklung, das ist vor allem kein Pastoralplan, sondern ein wirksamer und haltungsorientierter Perspektivwechsel: Es geht darum, eine Vision der Zukunft in den Blick zu nehmen, die in der Wirklichkeit gegründet ist und sich orientiert am Evangelium und an unserer katholischen Tradition. Das ist keine dogmatische Perspektive im klassischen deduktiven Sinn, sondern eher ein Entdecken und Nachdenken, ein Beobachten und theologisches Weiterdenken und Wiederentdecken der eigenen Tradition im Heute. Genau das beschreibt die Gedanken, die ich im Folgenden entfalten möchte. Starten möchte ich mit einigen Beobachtungen.

Taizè

Wer eine Woche in Taizè verbringt, erlebt am Sonntag, am letzten Tag des Aufenthalts, die Eucharistiefeier mit allen. Sie ist wirklich der Höhepunkt der ganzen Zeit dort: hinter einem liegt eine Woche des Hörens auf das Wort Gottes, des Miteinanders und des Dienstes aneinander. Taizè funktioniert ja nur deswegen, weil jeder und jede einen Dienst für andere wahrnimmt. Und hinter den Jugendlichen liegt eine Woche, in der sie miteinander gelebt haben, unglaublich viele Begegnungen stattgefunden haben – und viel Zeit für Gebet und Gesang war. Gegen Ende der Woche wird deutlich, dass es eigentlich um den Weg Jesu geht: das kennenlernen und verbinden des eigenen Lebens mit dem Evangelium mündet in den Freitagabend, der der Verehrung des Kreuzes – und es ist einfach beeindruckend, wie viele Jugendliche ihre Verehrung zeigen, sich mit dem Kreuz verbinden. Am Samstagabend – mit Kerzen – steht dann die Auferstehung im Zentrum, die dann am Sonntag in der Messe mündet.

Eine Gemeinschaft, die gelebt, gefeiert, gebetet, gegessen hat, die einen Weg gegangen ist, feiert nun Eucharistie. Der Vorsteher, der Priester in dieser Feier, muss vorbereitet sein auf dieses Feiern: er steht wirklich im Dienst an der Gemeinschaft, die sich hier versammelt hat. Und entsprechend zurückgenommen ist sein Dienst. Die Eucharistiefeier hat eine Schönheit, eine Einfachtheit, eine Tiefe – und eine innere Teilhabe, die sich in den Gesten, Liedern und der Stille ausdrückt. Selten habe ich so etwas ergreifendes erlebt. Die Eucharistiefeier ist Höhepunkt und Quelle: denn sie feiert die gelebte Woche – und sendet die Menschen, die jungen Leute, zurück in ihre Lebenswirklichkeit.

Fragen entstehen hier im Blick auf unsere Praxis: wie wird eigentlich jene Gemeinschaft konstituiert, die dann sich in der Eucharistie neu beschenken lässt und so neu wird? Welche Hinwege zur Feier der Eucharistie werden Praxis bei uns sein können? Und deutlich wird auch: dann, wenn das Leben des Evangeliums die Gemeinschaft prägt, wird Eucharistie ein Höhepunkt sein können – und wird zugleich der priesterliche Vorsteher den Dienst tun können, der ihm eigentlich aufgetragen ist: die sakramentale Wirklichkeit der Kirche ins Leben zu bringen.

Sterkspruit

In den vergangenen Jahren durften wir mehrmals bei Bischof Michael Wüstenberg zu Gast sein. In der weitflächigen Diaspora Südafrikas und des Bistums Aliwal-North hatte Bischof Wüstenberg selbst als Pfarrer gearbeitet, in Sterkspruit, einem kleinen Mittelzentrum mit 30 Gemeinden. Zwei bis drei Priester wirkten hier. Und an dem Sonntag, an dem in Sterkspruit selbst jede Woche Messe in der Pfarrkirche gefeiert wurde, sind die anderen Priester jeweils an einen Ort gefahren – Orte, die teilweise bis zu 90 km entfernt lagen. Wir sind mitgefahren, mit einem Priester. Und wir haben erlebt, wie die Priester hier nicht von Ort zu Ort fahren, sondern am Sonntag einen Ort besuchen und dort mit der Gemeinde Eucharistie feiern. Aber hier war die Eucharistie ein Fest, das fast den ganzen Tag oder doch einen halben Tag dauerte: die Feier der Eucharistie war Ausdruck des gelebten Lebens, es wurde gefeiert, gegessen, getauft – Konflikte geklärt und der Priester hatte Zeit, mit den Menschen in Gespräche zu treten. Er war an diesem Sonntag da – ganz da. Und an den übrigen Sonntagen gab es natürlich auch Gottesdienste als Wortliturgien.

Ich habe dann auch gefragt, was denn die Priester von Sterkspruit während der Woche machen: „Wir besuchen die lokalen Leitungsteams vor Ort, sprechen mit den Verantwortlichen, und klären ab, was die Gemeinde braucht und wie es dort jeweils weitergehen kann.“

Das kann Hinweise für eine Zukunft geben, in der auch in unserem Bistum weniger Messen gefeiert werden! Denn hier wird deutlich auf die Eucharistie gesetzt, aber nicht nur auf das pure und schnelle Feiern, sondern auf die Erfahrung des Leibes Christi und die „sozialen“ Konsequenzen des Feierns. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass mit viel Zutrauen eine lokale Gemeindekultur entwickelt wird, mit viel Zutrauen (und das ist berechtigt) in die Kirchlichkeit und kreative Treue der Christen vor Ort, die aber – und das ist beeindruckend – gut begleitet werden. Die wöchentlichen Wortgottesfeiern führen nicht dazu, dass Menschen nicht die Eucharistie ersehnen, im Gegenteil wirkt das Kommen des Priesters und die Feier der Eucharistie auch hier als Höhepunkt des Lebens der Gemeinde, als das Fest schlechthin.

Erfahrungen aus unserem Bistum

Inzwischen mehr als 80 Besuche in den Pfarreien unseres Bistum bezeugen für mich vor allem eine tiefe eucharistische Sehnsucht. Die Grundfrage angesichts der weniger werdenden Priester ist immer die Frage, wann und wie die Eucharistie gefeiert werden kann. Und selbst dann, wenn nach den Wortgottesdiensten gefragt wird, und nach der Möglichkeit der Kommunion in diesen Feiern, steht im Hintergrund die Sehnsucht nach der Eucharistie. Für diejenigen, die sonntäglich zur Kirche gehen, bezeugt diese Sehnsucht die theologische Rede von der Eucharistie als Höhepunkt und als Quelle. Man kann das anfragen, aber in einer Hermeneutik des vertrauensvollen Wachstums ist die Konsequenz zu ziehen, dass der Sensus fidelium katholischer ist als man ihm gegenwärtig oft unterstellt.

Allerdings wird in allen Gesprächen auch eines immer deutlich: die Feier der Eucharistie reicht als Nahrung nicht aus, wenn nicht eine echte tiefe und innere Qualität in dieser Feier steckt: die Predigt, die Feierkultur, die Liturgie, der Vorsteherdienst und die Dienste – all das ist zentral, damit eine Feier zur Nahrung wird. Und der Anspruch der Gläubigen steigt an. Und auch das Leiden: es reicht nicht, wenn sie stattfindet, sie braucht eine innere Qualität und Mystagogie. Und so verwundert es nicht: es gibt auch ein Leiden an den Feiern, die im real existierenden Katholizismus stattfinden.

Und so läßt sich – auch als Konsequenz – eine widerstrebende Tendenz beobachten: auf der einen Seite sind Menschen heute auch mobil, im Blick auf die Feiern der Eucharistie. Im Suchen nach einen Ort, bei dem Liturgie auch nahrhaft erlebt werden kann, spielt für viele keine Rolle mehr, wo diese Feier ist. Auch größere Entfernungen werden kein Hindernis – auch größere Zeitabstände nicht. Umgekehrt gibt es bei vielen unserer Katholikinnen und Katholiken den Wunsch, dass die Eucharistie oder doch mindestens der sonntägliche Gottesdienst „vor Ort“ stattfindet. Der Grund ist auch hier nachvollziehbar und einfach: die örtliche Gemeinschaft konstituiert und stärkt sich in der sonntäglichen Feier. Und dennoch gilt auch hier. Deutlich zeigt die Resonanz der Feiern, welche innere Qualität sie hat. Das gilt auch dann, wenn die Eucharistiefeiern vor Ort nicht mehr den Eindruck der Sammlung und der Erfahrung der Gegenwart des Auferstandenen ermöglicht, dann wird sie auch nicht mehr mitgefeiert.

Aber in den letzten Jahren ist auch immer klarer geworden, wie prägend für das Glaubensleben die Feier der Liturgie hat, sowohl der Eucharistie wie der liturgischen Feiern in verschiedenen Kontexten. In den Workshops und Summerschools sind die Erfahrungen kontextueller Liturgien, der Wortgottesfeiern und der Eucharistiefeiern immer am beeindruckendsten. Aber auch die Feiern der ersten Kommunion, die Feiern der Firmung hinterlassen bei vielen, gerade auch bei denen, die sonst nicht so häufig zur Kirche kommen, einen nachhaltigeren Eindruck als die Katechese. Offensichtlich ist die Prägekraft der Liturgie kaum zu überschätzen.

Weg-Liturgien

Eucharistie, das ist Höhepunkt und Quelle des christlichen Lebens. So wahr und so klar und so unangefochten das ist und theologisch nicht weiter begründet werden muss – die Lebenswirklichkeit im real existierenden Katholizismus spricht dafür, noch einmal intensiver die Voraussetzungen und Konsequenzen dieser Wahrheit in den Blick zu nehmen. Denn der größte Teil der Katholiken haben bislang keinen Zugang zur Feier der Eucharistie gefunden. Aber genau hier liegt eine Herausforderung, die schärfer kaum zu beschreiben ist. Denn so wahr es ist, dass die Diskussionen um Gottesdienste und Eucharistiefeiern die innerste Mitte des Glaubens betreffen – so notwendig ist eine intensive Diskussion mit der Frage, wie suchenden Menschen, Katholiken und nicht, ein Zugang zur Erfahrung des Geheimnisses Gottes eröffnet werden kann.

Hier dreht sich geradezu die Perspektive um: welche Wege öffnen den Zugang zur eucharistischen Feier? Die reiche Tradition der Kirche und ihrer katechumenalen Logik ist wieder zu entdecken: auf der einen Seite zeigt sich, dass die vielen liturgischen Feiern zu Kasualien, Erstkommunion und Firmung, aber auch kontextbezogene Segensfeiern (Einschulung, Haussegnungen, Sternsinger) eine hohe Resonanz erleben. Sie sind evangelisierende und mystagogische Feiern, die in Beziehung zum Geheimnis des lebendigen Gottes führen können. Oft aber wird ihr Potential nicht erkannt – und die Diskussion um eine neue Volksfrömmigkeit, wie sie sich etwa im Kontext der neuen Pilgerbewegung zeigt, ist für die meisten klassischen Diskussiongräben um das Thema Eucharistie und Wortgottesdienst uninteressant. Dabei ist angesichts einer evangelisierenden Grundsituation dieses Thematik besonders in den Blick zu nehmen. Es könnte sein, dass hier noch einmal intensiver darum gerungen werden muss, ob nicht diese Segensfeiern und Gottesdienste für Suchende auch zu neuen Gemeindeformen führen werden. Im Blick auf eine „mixed economy“ ist hier noch tiefer über den Zusammenhang von „lex orandi“ und damit der gefeierten Liturgie und den kirchenbildenden Konsequenzen nachzudenken. Der Schwerpunkt des Nachdenkens kann also nicht allein bei der Frage liegen, wie wir die Eucharistie feiern und wie sonntägliche Wortgottesdienste gefeiert werden können: es geht zentral um die Frage, wie Menschen mit dem Reichtum liturgischen Feierns auch einen Zugang und Wege zum Geheimnis sakramentaler Gegenwart finden können.

Noch einmal sei hier zu erinnern an eine Weisheit der alten Kirche: für die frühen Christen war klar, dass die Eucharistiefeier die innere Mitte des Kircheseins ist – genauso klar war aber die graduelle und biographieorientierte Hinführung. Die Rede von der Arkandisziplin ist neu in den Blick zu nehmen: es geht immer darum, eine für den Weg der jeweiligen Mitfeiernden angemessene Feierform zu finden und Wege zu eröffnen.

Herausforderungen

Wenn lokale Kirchenentwicklung nicht – wie zuweilen zu hören – eine bewahrungsorientierte Strategie für Gemeinden ist, sondern theologische Provokationen für die Zukunft bereithält, dann sind nach dieser reflektierten Beobachtung nun thesenhaft Konsequenzen zu ziehen. Dabei sind die Rahmenbedingungen zu bedenken, die sich für unser Bistum ergeben.

  • Die Zahl der Priester wird deutlich kleiner sein, damit auch die Zahl der Eucharistiefeiern – allerdings auch die Zahl derer, die Eucharistie mitfeiern.
  • Die Bedeutsamkeit der Eucharistiefeiern wird damit größer werden: je seltener Eucharistie gefeiert wird, desto mehr stellt sich die Frage nach ihrer mystagogischen Qualität und nach dem Kontext der Feier: wie kann erfahrbar werden, dass Eucharistie im Kontext einer gelebten Gemeinschaft Mitte des christlichen Lebens ist, die Quelle für die Sendung, der Höhepunkt des gelebten Christseins in der Gegenwart Gottes?
  • Die Frage nach der Eucharistie ist zugleich die Frage nach einer differenzierten und kontextualisierten und damit evangelisierenden Liturgiekultur, die Wege öffnet zur Mitte. Die Frage nach diesen Liturgien und liturgischen Feiern braucht eine neue Schwerpunktsetzung und zugleich eine Verknüpfung mit der eucharistischen Option.

Damit ergeben sich Herausforderungen, die hier skizzenhaft beschrieben werden sollen.

Der eine Leib Christi

Eucharistie feiern ist ja kein Ziel an sich: auf der einen Seite wächst die Kirche aus der Eucharistie. In der Feier und Teilhabe am Geheimnis Christi wächst der eine Leib Christi, die Einheit, die sich als Gemeinschaft der Vielen, als Gemeinschaft der Unterschiedlichen zeigt. Gerade hier aber stellen sich viele Fragen: wenn in Zukunft in einer Pfarrei Eucharistie gefeiert wird, wie wird dann die Vielfalt kirchlichen Lebens in dieser Feier erfahrbar? Wie kann deutlich werden, wie weit die Kirche reicht? Wie sind Caritas und Schule, Kindergarten und Einrichtungen in dieser Feier präsent, wie die vielfältigen Initiativen – wie kann also die sich versammelnde Gemeinde entdecken, wie weit Kirche vor Ort ist, auch jenseits der Gemeindeformen, die uns bekannt sind.

Hier ist Einheit neu zu denken: sie besteht nicht in der soziologischen Integration und damit Reduktion in eine Gemeindeform, sondern in der Entdeckung der reichen Vielfalt und Unterschiedlichkeit in dem einen Christus. Das gilt umso mehr, als die Frucht der Eucharistie eine trinitarische Einheit ist, ein Teilhabe an einer „trinitarischen Spiritualität“, einer „Spiritualität in Gemeinschaft“, wie Johannes Paul II sagte (Novo Millenio Ineunte 43).

Diese Weite braucht jede Feier der Eucharistie und schließt damit auch alle jene ein, die sich im Raum der von Christus geschenkten Kirche wiederfinden wollen. Damit wird deutlich, dass es nicht zuerst darum gehen muss, wer alles zur Messe kommt, sondern ob die feiernde Gemeinschaft sich als Gemeinschaft der Vielen, die zu Christus gehören, versteht.

In diesem Kontext gewinnen die Überlegungen des II. Vatikanischen Konzils neue Leuchtkraft (LG 26): „Diese Kirche Christi ist wahrhaft in allen rechtmäßigen Ortsgemeinschaften der Gläubigen anwesend, die in der Verbundenheit mit ihren Hirten im Neuen Testament auch selbst Kirchen heißen. Sie sind nämlich je an ihrem Ort, im Heiligen Geist und mit großer Zuversicht (vgl. 1 Thess 1,5), das von Gott gerufene neue Volk. In ihnen werden durch die Verkündigung der Frohbotschaft Christi die Gläubigen versammelt, in ihnen wird das Mysterium des Herrenmahls begangen, „auf daß durch Speise und Blut des Herrn die ganze Bruderschaft verbunden werde“. In jedweder Altargemeinschaft erscheint unter dem heiligen Dienstamt des Bischofs das Symbol jener Liebe und jener „Einheit des mystischen Leibes, ohne die es kein Heil geben kann“. In diesen Gemeinden, auch wenn sie oft klein und arm sind oder in der Diaspora leben, ist Christus gegenwärtig, durch dessen Kraft die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche geeint wird.“

Wenn also an einem Ort Eucharistie gefeiert wird, ist die gesamte Kirche anwesend, weil hier Christus die Kirche aufbaut. Auch wenn also nicht überall in einer Pfarrei Eucharistie gefeiert werden kann, wo Gemeinden sind – die Erfahrung aus Sterkspruit macht das deutlich – dann ist doch dort, wo sie gefeiert wird, die Epiphanie der Kirche als ganzer. Und die Frage ist, wie dies sichtbar werden kann.

Kein Mess-Stress

Wer zur Zeit neue Gottesdienstordnungen durchliest, den wird der Gedanke beschleichen, dass es wohl darum geht, am Sonntagvormittag möglichst viele Gottesdienste unterzubringen. So sehr dies verständlich ist, ich plädiere entschieden gegen diese zeitliche Verdichtung. Es muss uns um etwas anderes gehen: dass nämlich die Feier der Eucharistie zum Ausdruck bringen kann, dass hier das Leben der Gemeinschaft der Gläubigen sich verdichtet. Wir sollten wirklich darüber nachdenken, welche Kultur des Festes, welche Kultur des Sonntags aus den Herausforderungen der Gegenwart wächst.

Mit anderen Worten: wäre es nicht an der Zeit, die liturgische und ekklesiale Qualität der Feiern nicht an ihrer Häufigkeit, sondern an ihrer Gottfülle und gemeinschaftsbildenden Qualität zu messen – und an der Frage, wie „participatio actuosa“ von einer intensiveren liturgischen Bildung aller und besonders der Dienste gefördert wird. Aber auch die Zeiträume sind zu bedenken, wenn für die einzelne Gemeinde vor Ort vielleicht die Eucharistiefeier der monatliche Höhepunkt werden soll, und wirklich Quelle für den weiteren Weg der Gemeinde vor Ort.

Eucharistie als Höhepunkt

Dieser Herausforderung ist weiter nachzudenken. Denn es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Eucharistie nicht erst mit der Feier beginnt. Gerade die Alltäglichkeit der Hingabe aus Liebe, das Engagement für die Menschen in den verschiedenen Nöten, die Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Familie und Kindergarten und Schule ist nichts anderes als Ausdruck eucharistischer Liebe, der Hingabe, wie Christus sie vorgelebt hat. Wenn also daran gedacht ist, das Eucharistie Quelle sozialen Handelns ist, dann will dieser intensive Zusammenhang auch sichtbar und erfahrbar werden.

Zu denken ist hier auch an viele praktische Fragen: wenn in einer Gemeinde der Pfarrei Eucharistie gefeiert werden wird – wie werden die anderen Gemeinden daran teilhaben? Wie werden andere kirchliche Orte wahrgenommen und hineingenommen? Wie wird der katechumenale Raum der Evangelisierung in den Blick geraten? Wie können wir um das ganze Volk Gottes wissen und es im Gebet mittragen?

Verwandelt

Eine letzte Perspektive: Eucharistie ist nicht mit der Feier zu Ende, sie beginnt mit der Sendung, sich im Leben der Welt zu entfalten. Das wird vielfältig zu bedenken sein: die Feier der Eucharistie führt in die Sendung in die Welt, aber sie trägt in sich eine kirchenbildende Dynamik. Wenn die anglikanische Erneuerungsbewegung von der Kirche als gestaltwerdender Sendung spricht (mission shaped church), dann ist im Kontext unseres Nachdenkens zu fragen, wie wir deutlicher als bisher in einer tendenziell vielfältigeren Gesellschaft neue Formen von Gemeinschaft entwickeln, in denen sich das sakramentale Geheimnis Gottes spiegelt und ereignet. Deutlich wird ja immer mehr, dass die klassische Gemeindeform ein Gefüge ist, das immer weniger Menschen einzubinden vermag. Das ist auch nicht schlimm, denn das Werden neuer Gestalten und Formen der Gemeinschaft hängt ja gerade mit der kontextualisierten Sendung zusammen.

Das bedeutet dann auch, dass die Sendung wächst aus der Leidenschaft für die Menschen, aus der Hingabe in die Kontexte, Freuden und Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche der Zeitgenossen – und damit sowohl in Sendung wie Sammlung eine Verschiedenheit von Gestaltwerdungen hervorbringt. Gerade auch im Kontext unserer Bistumswirklichkeit wird hier auch das Werden ökumenischer Kirchengestalten zu begrüßen sein: denn die gemeinsame Sendung führt zu neuen Formen ökumenischen Kircheseins.

 

 

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