Seit Weihnachten nichts geschrieben in meinem Blog… Woran das liegt? Am vielen Schreiben. Inzwischen durfte ich viel veröffentlichen in Zeitschriften und Büchern und habe an einem Buch geschrieben, das jetzt in den Druck geht: „Kirche steht Kopf – Unterwegs zur nächsten Reformation“.

Aber das ist nicht der einzige Grund. Denn immer mehr treten wir im Bistum und in den verschiedenen Bistümern in wirksame Entwicklungsprozesse ein. Aber das ist ein spannender Weg.

Ein Element dieses spannenden Weges sind die Besuche in den Pfarreien, die ich seit Ostern gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen unternehmen. Inzwischen sind wir in 12 Pfarreien unseres Bistums, alle im Süden, gewesen. Beeindruckende Erfahrungen – vor allem aber eine: das „heilige gläubige Volk Gottes“ hat mich an jedem Ort geflasht: denn selbst wenn viele bislang wenig bis gar nichts vom Weg unseres Bistums in Lokaler Kirchenentwicklung gehört haben, und auch herausgefordert und erschrocken sind über zukünftige Szenarien einer noch geringeren Personaldecke.

Aber: überall treffe ich begeisterte Christinnen und Christen in den Gemeinden. Bereit, in die Zukunft zu gehen, sich auf den Weg zu machen. Wir beginnen immer mit einer kleinen Wahrnehmungsübung über die Stärken und Schwächen, Chancen und Herausforderungen vor Ort. Und das ist ja schon der erste Schritt jeder Lokalen Kirchenentwicklung. Immer wird deutlich, dass klassische Grundpfeiler gemeindlicher Selbstverständlichkeit in Auflösung sind: nein, es verwundert ja nicht wirklich, wenn selbst „die Seniorengruppen immer älter werden und Nachwuchsprobleme haben“, wie ich in Clausthal-Zellerfeld hörte. Nein, es verwundert nicht – es verwundert eher, dass wir alle, lange Jahre nach dem Zerbrechen milieukirchlicher Konstellationen, immer noch beklagen, dass es nicht mehr so ist, wie es war.

Aber diese Brille milieukirchlicher Gemeindekonstellationen, die später durch Professionalisierung und Gemeindetheologie weiter nach innen zementiert und orientiert wurde, sie läßt blind werden für das, was wächst. Aus der konkreten Situation, aus den konkreten Herausforderungen. Beispiele gibt es in Hülle und Fülle: da erzählt man uns, dass es immer weniger Pastoral mit Familien gibt, um im selben Atemzug von drei Kindergärten zu berichten und 200 Familien, die damit verbunden sind. Da wird von der Schwierigkeit der Gruppenarbeit gesprochen, und gleichzeitig führt eine oberflächliche Beschreibung der Pfarrei zur Erkenntnis, dass angesichts der vielen Studenten aus vielen Ländern wahrscheinlich die Aufgabe nur darin bestünde, eine gastfreundliche Pfarrei mit Willkommenskultur zu sein…

Sehen lernen, sich bekehren lassen von der Wirklichkeit, mit der Gott uns umarmt. Das ist der Ausgangspunkt für eine Kirchenentwicklung, die sich vom Wirken des Geistes leiten läßt.

Über diese Erfahrungen, über die Theologie und Ekklesiologie, über das Abenteuer des Geistes mit seiner Kirche, über Impulse und vor allem über das lebendige, heilige, gläubige Volk Gottes… werde ich wieder regelmäßug erzählen…